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Röntgenuntersuchung

Bei archäologischen Ausgrabungen gibt es für den ungeübten Betrachter oft enttäuschend wenig zu erkennen. Das gilt in besonderer Weise auch für die Fundobjekte. Die lange Lagerung im Erdreich hat die alten Gegenstände stark verändert und je nach Material auch zerstört. Während sich Objekte aus Keramik meist gut erhalten, sind organische Materialien wie Textilien, Holz, Knochen und Leder stark abgebaut und nur unter besonderen Lagerungsbedingungen erhalten. Neben diesen organischen Materialien sind auch Gläser und besonders Metalle von Verfallsprozessen durch die lange Bodenlagerung betroffen.

Gerade Metallobjekte lassen sich als frische Bodenfunde oft nicht identifizieren. Objekte aus Eisen sehen zum Beispiel aus, wie Rostklumpen und sind durch ankorrodiertes Bodenmaterial total entstellt. Es bildet sich dabei im Laufe der Jahrhunderte eine harte Korrosionsschicht aus einem Gemisch von Rost, Sand und Kies. Eine besondere Form der Fundbergung stellt die so genannte Blockbergung dar. Dabei werden ein oder mehrere Fundobjekte zusammen mit der umliegenden Erde aus dem Erdverbund abgetrennt, mit einer stabilen Unterlage unterfangen und seitlich mit Gipsverbänden gesichert. Nach dem Auffinden und Bergen der Objekte muss ein langwieriger Prozess von Restaurierungs- und Konservierungsmaßnahmen eingeleitet werden, um die Funde für die weitere wissenschaftliche Bearbeitung und schließlich die Präsentation in Ausstellungen und Museen zu präparieren.

Diese Arbeiten werden in der speziell dafür eingerichteten Restaurierungswerkstatt vorgenommen, wobei sämtlich Arbeitsschritte am Objekt einer Dokumentation unterliegen. Die Röntgenuntersuchung besonders von Blockbergungen und Metallobjekten bildet bei diesen Maßnahmen den Auftakt. Das Verfahren arbeitet zerstörungsfrei und ist für alle weiteren, das Objekt betreffende Arbeitsschritte unersetzlich.

Mit Hilfe des Röntgenbildes wird das Objekt im fundnahen Zustand dokumentiert. Bei Metallen lässt sich die unterschiedliche Materialdichte von umgebenden Erdreich, Korrosionsauflage und eigentlichem Objekt im Röntgenbild gut darstellen, so dass in diesem frühen Stadium ein Blick in den Erdblock und unter die Rostschicht und damit eine Identifikation des aufgefundenen Gegenstandes möglich ist. Es zeigen sich dabei nicht nur die im Erdblock enthaltenen Objekte in ihrer originalen Lage zueinander, sondern auch die äußere Form des einzelnen Objektes, sowie weitere Details die wichtige Informationen bergen. Das Röntgenbild lässt Rückschlüsse auf Verbindungstechniken, Verzierungen und Einlagen, die mit ande-ren Metallen vorgenommen wurden zu und gibt dadurch auch Hinweise auf das ursprüngliche Erscheinungsbild und die Herstellungstechniken. Daneben kann das Röntgenbild auch schon etwas zum Erhaltungszustand des Objektes aussagen. Somit wird es für die weitere Restaurierung und die anschließende wissenschaftliche Auswertung der Objekte wichtige Dienste leisten. Die Auswertung des Röntgenbildes entscheidet oft, welche Objekte überhaupt restaurierungswürdig sind. Es kommt immer wieder vor, dass Archäologen Metallfragmente bergen, die nicht zur untersuchten alten Kulturschicht gehören. Stark verrostete Bombensplitter aus dem zweiten Weltkrieg lassen sich zum Beispiel von römischen Messerklingen im Boden oft nicht unterscheiden. Auch bei in großen Mengen vorkommenden römischen Nägeln, reicht oft die Auswertung der Röntgenaufnahme für die weitere wissenschaftliche Bearbeitung aus. Eine Restaurierung jedes einzelnen Nagels würde ein Missverhältnis zwischen Arbeitsaufwand und zu erwartendem Ergebnis darstellen. Es können jedoch nicht nur metallische Werkstoffe untersucht werden, sondern auch andere Materialien, wie Keramik, Glas und organische Materialien. Je nach Fragestellung bietet das Röntgenbild Antworten auf Fragen nach Herstellungstechniken, technischen Merkmalen und im Falle von geschlossenen Gefäßen nach deren Inhalt.

Röntgenuntersuchungen bieten sich jedoch nicht nur für archäologische Objekte an. Da die Methode absolut zerstörungsfrei arbeitet, können damit alle Kunstwerke aus Sammlungen und Museumsbeständen durchleuchtet werden. Auch hier bietet das Röntgenbild Antwort auf unterschiedlichste Fragestellungen.

Bei Gemälden können Übermalungen, Kittungen und Retuschen nachgewiesen werden. Bei Skulpturen lassen sich Montage- und Verbindungstechniken nachweisen. Viele Kunstwerke, die sich seit langer Zeit in Sammlungen befinden blicken auf eine eigene Restaurierungsge-schichte zurück. Hier ermöglicht die Untersuchung mit Röntgenstrahlung den Nachweis von Bearbeitungsspuren, Reparaturen und selten sogar von Fälschungen.


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